Impuls März2020

Veranstaltung am: 15.03.2020

Liebe Mitchristen, gerne hätte ich...

Pf. Dr. Edgar Jans

Liebe Mitchristen

gerne hätte ich im Impuls heute über den anbrechenden Frühling geschrieben, mit dem doch auch die Lebensgeister in einem neu belebt werden. Oder über den Segen der Fastenzeit, oder über die Vorfreude auf das Osterfest. Doch dann kam das Coronavirus dazwischen.
Darüber etwas zu schreiben fällt freilich schwer, weil die Zeilen von heute, da ich am Computer sitze, vermutlich längst schon wieder überholt sind, wenn Sie diese Ausgabe von Isny aktuell in Händen halten. Eines aber werden wir noch eine Weile haben: Einschränkungen des sozialen Lebens. Diese helfen hoffentlich, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Sie treffen aber den einen oder anderen doch schmerzlich.
Mir sind in dieser Situation die derzeitigen Sonntagsevangelien in neuer Weise ans Herz gewachsen:
Am 3. Fastensonntag bat Jesus die Frau am Jakobsbrunnen um einen Schluck Wasser und verhieß ihr zugleich lebendiges Wasser (Joh 4,5-42). Am 4. Fastensonntag heilte Jesus einen Blinden (Joh 9,1-41) und am vor uns liegenden 5. Fastensonntag erweckt er den Lazarus zu neuem Leben (Joh 11,1-45).
Jedes Mal geht es zunächst um eine konkrete Hilfeleistung, die sich freilich dramatisch steigert: vom durstlöschenden Schluck Wasser über die Blindenheilung bis zur Totenerweckung. In allen drei Erzählungen ist diese Hilfeleistung freilich mit der Erkenntnis verbunden, dass Leben weit mehr ist und mehr sein will als bloßes Überleben. Jesus verheißt der Frau am Jakobsbrunnen das lebendige Wasser, das einen tieferen Durst stillt und eine tiefere Sehnsucht erfüllt. Den Blinden heilt er nicht nur, sondern öffnet ihm die Augen für Gottes segensreiches Wirken. Und Lazarus ruft er nicht einfach ins alte Leben zurück, sondern erneuert sein Leben, öffnet neue Perspektiven.
In Zeiten von Corona liest man solche Erzählungen anders. Auch da geht es zunächst um ganz konkrete Hilfeleistung bzw. darum, besonders gefährdete Menschen vor dem Virus zu schützen. Angesichts der damit verbundenen Einschränkungen stellt sich aber auch die Frage mit neuer Dringlichkeit: Was brauchen wir zu einem guten, erfüllten Leben? Dazu können unterschiedliche Dinge gehören, zum Beispiel eben gerade die sozialen Beziehungen zu Freunden und Verwandten, die wir in dieser Zeit einschränken sollten und teils schmerzlich vermissen.
Für mich gehört dazu aber auch der Glaube, wie er in der Bibel grundgelegt ist. Ich bin überzeugt: Die Menschen, die damals Jesus erlebten, spürten, dass er nicht nur ganz konkret Menschen in Not helfen wollte, sondern dass er genau dies anbieten konnte: den Weg zu einem Leben, das weit mehr ist als bloßes Überleben.
Bei Jesus spürten sie: er gibt mir die Sicherheit, dass ich bei Gott geliebt bin. Er kann mir gerade in chaotischen Zeiten Orientierung geben. Er schenkt mir neues Leben. Solche Erfahrungen hielten sie in Bildern und Erzählungen fest: etwas das Bild vom lebendigen Wasser oder die Erzählung von der Erweckung des Lazarus zu neuem Leben.
Dabei ist mir gar nicht so wichtig, was damals genau geschehen ist, wie Jesus das mit den Heilungen genau gemacht hat oder ob die Erzähler da etwas ausgeschmückt haben. Entscheidend sind die Erfahrungen, die die Menschen damals machten und die wir hoffentlich heute noch ähnlich machen können:  Die Erfahrung, dass Gott ein Gott des Lebens ist, dass er uns Halt und Stütze sein will, dass er uns gerade durch chaotische Zeiten gut führen kann.
In dieser Zuversicht wünsche ich Ihnen trotz allem die Freude am Frühling, den Segen der Fastenzeit und die Vorfreude auf Ostern, auf das Fest der Auferstehung, das in diesem Jahr in mancherlei Beziehung besonders sein wird.
 

 

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