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Aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit Kirchenblatt

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny

IsnyAktuell


Predigt am 13.9.26, Kapellenfest in Sommersbach: "Leben wir, so leben wir dem Herrn … " (Röm 14,7-9) ; Pfr. E. Jans

Liebe Gemeinde,

„Herr, du bist mein Leben“ – so haben wir vorher gesungen. In dem Lied wird deutlich: Leben und Gott – Gott und Leben, das gehört eng zusammen. Ganz ähnlich klang es in der Lesung bei Paulus: „Leben wir, so leben wir dem Herrn“. Paulus ergänzt noch einen Satz: „sterben wir, so sterben wir dem Herrn“ – wegen diesem Vers werden diese Zeilen auch gerne bei Beerdigungen genommen. Und ich gebe zu, zuerst wollte ich deshalb eigentlich einen Bogen um diese Worte machen. Beerdigung und Anfang des neuen Schul- und Arbeitsjahres passen ja wirklich nicht so gut zusammen. Und für das Kapellenfest ist es erst recht nicht so das geeignete Thema.

Ich blieb dann doch dabei – gerade weil der erste Teil des Satzes durchaus bedenkenswert ist – nicht zuletzt an so einem Tag wie heute. Immerhin steht da ja das Leben im Mittelpunkt: „Leben wir, so leben wir dem Herrn“ Das scheint auch für Paulus der zentrale Gedanke gewesen zu sein: Das ganze Leben – von Anfang bis zum Ende (und darüber hinaus) – liegt in Gottes Hand.

„Leben wir, so leben wir dem Herrn“. Das kann man nun durchaus etwas durchbuchstabieren und auf verschiedene Situationen anwenden:

Um mal ganz positiv mit dem heutigen Anlass zu beginnen: Feiern wir, so feiern wir mit dem Herrn. Ja, das Feiern gehört zum Leben dazu, auch für Jesus. Nicht umsonst erzählen die Evangelien von dem einen oder anderen Fest, bei dem Jesu dabei war und mitgefeiert hat. Deshalb gilt: Wenn wir mit dem Herrn leben, dann dürfen wir auch mit ihm feiern.

Oder auch: Hoffen wir, so hoffen wir mit dem Herrn und auf den Herrn. Glaube und Hoffnung gehören eng zusammen. Und wo immer wir Hoffnung haben, dürfen wir mit Gott hoffen.

Oder: gerade am Anfang des neuen Schul- und Arbeitsjahres: Gehen wir einen neuen Weg, so gehen wir ihn mit dem Herrn. Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir auf unserem Weg nicht allein sind – begleitet hoffentlich immer wieder von guten Menschen an unserer Seite, begleitet aber auch von Gott selbst.

Dieses „Leben wir, so leben wir dem Herrn“ gilt aber natürlich auch und gerade in schwierigeren Zeiten:

Haben wir Sorgen, so ist auch in den Sorgen der Herr nahe. Und das macht die Sorgen schon wieder etwas erträglicher.

Plagen uns Probleme, so dürfen wir auch diese vor Gott bringen.

Ja, unser ganzes Leben – davon ist Paulus überzeugt – ist mit Gott verwoben, ist ein Leben in Gottes segensreicher Nähe. Nicht, dass dadurch alles leicht und einfach würde – Paulus selbst hatte in seinem Leben mit so manchem zu kämpfen, angefangen von den eigenen Irrwegen bis hin zu Anfeindungen und Verfolgungen. Aber als Leben in Gottes Nähe ist es ein Leben in Hoffnung. Das galt für Paulus, das gilt auch für uns heute.

Nun aber doch noch kurz zu jenem zweiten Teil des Satzes, dem mit dem Sterben. „Sterben wir, so sterben wir mit dem Herrn“. Ich glaube, was Paulus da vor allem sagen will: All das, all diese segensreiche Nähe Gottes, all die Geborgenheit in seiner Liebe, all das, was unser Leben trägt: es endet nicht mit dem Tod, wir dürfen es hinüber nehmen zu Gott. Und das ist vor allem auch eine gute Botschaft schon für dieses Leben. Denn umso mehr wird es zu einem Leben in Hoffnung und Zuversicht. Und so ist es gut, sich dies immer wieder bewusst zu machen: „Leben wir, so leben wir dem Herrn“.

Predigt am 6.9.26; "Liebe in einer unvollkommenen Welt" (Röm 13,8-10; Mt 18, 15–20) ; Pfr. E. Jans

Liebe Gemeinde,

Liebe in einer unvollkommenen Welt – so könnte man über die beiden biblischen Texte schreiben. Da war bei Paulus das Lob auf die Liebe, die die Erfüllung des ganzen Gesetzes ist. Dieser Hochachtung der Liebe stimmen wir sicher gerne zu. Die Liebe hat für uns einen sehr hohen Wert. Im Evangelium wird aber schnell deutlich, dass diese Forderung der Liebe oft genug auf eine schwierige Wirklichkeit stößt. Wäre alles in der Welt perfekt, wäre alles liebenswert und würden sich vor allem die Menschen immer liebenswert verhalten, wäre es wohl auch nicht ganz so schwierig, diesem Gebot der Liebe nachzukommen.

Aber die Welt ist eben nicht vollkommen, es gibt in ihr manches, was nicht so liebenswert erscheint. Und es gibt leider auch die Menschen, die wenig liebenswert handeln. „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt“ – so begannen die Worte Jesu. Aber gerade in solchen Situationen muss sich die Liebe bewähren: als Liebe in einer unvollkommenen Welt.

An dieser Stelle ist es vielleicht gut, näher zu schauen, was für eine Liebe hier gemeint ist. Es gibt ja recht unterschiedliche Formen der Liebe. Eine ist mit tiefen Gefühlen verknüpft, eine tiefe emotionale Verbundenheit, wie wir sie z.B. bei Liebespaaren oder auch bei der Liebe der Eltern zu den Kindern kennen. Solche tiefen liebevollen Gefühle sind freilich in der Regel nur zu wenigen Menschen möglich.

Eine andere Form der Liebe – und die ist meist in der Bibel gemeint – schließt dagegen sehr viel mehr Menschen ein. Es zeichnet sie aus, dass sie eben gerade nicht Halt macht bei den Menschen, die einem sehr nahe stehen. Dabei geht es dann weniger um tiefe Gefühle als vielmehr um einen wertschätzenden, respektvollen Umgang mit all den vielen Menschen, die uns Tag für Tag begegnen - gerade auch mit denen, die vielleicht zunächst wenig liebenswert erscheinen: der schwierige Arbeitskollege, der nervige Nachbar oder im Beispiel des Evangeliums der Bruder (oder auch die Schwester), der (die) immer und immer wieder gegen einen sündigt.

Noch deutlicher wird das Gemeinte, wenn wir auf das Gegenteil der Liebe schauen. Bei der gefühlsbetonten Liebe ist der Gegensatz dazu der Hass. Bei dieser wertschätzenden Liebe dagegen ist das Gegenteil eher die Gleichgültigkeit. Die Gleichgültigkeit, die mir einredet: was geht mich der andere an, was kümmert es mich, wie es ihm geht. Ich schaue auf mich und die Meinen, alles andere ist mir egal.

Aber genau diese Haltung soll es bei Christen nicht geben. Sie müssen und sie sollen gar nicht alle Menschen sympathisch finden, aber sie sollen im Umgang miteinander immer fair bleiben. Sie müssen und sie sollen gar nicht alles gutheißen, was andere tun, aber sie dürfen nie sagen: der andere ist mir egal.

Im Übrigen lässt sich dies bei Jesus selbst ebenfalls ablesen. Auch er fand keineswegs alle Menschen sympathisch, und was er manchen Pharisäern und Gesetzeslehrern an den Kopf warf, klingt wenig liebevoll. Und doch hätte er ihnen wahrscheinlich geholfen, wenn sie in Not geraten wären.

Und so war es auch für Jesus die Frage: Wie kann und wie soll eine Liebe in einer so unvollkommenen Welt mit so unvollkommenen Menschen aussehen. Wie kann Liebe aussehen, wenn der andere sich so wenig liebenswert verhält bzw. um nochmals das Evangelium aufzugreifen, sich immer wieder gegen dich versündigt.

An einem Fall spielt das Evangelium diesen Gedanken durch. Wichtiger als das konkrete Vorgehen in dieser Streitsache scheint mir dabei dieser Gedanke: Wenn wir von der Liebe reden, wenn wir mit Paulus davon sprechen wie großartig und wichtig die Liebe ist, dann müssen wir uns doch immer zugleich bewusst sein: Es ist eine Liebe in einer unvollkommenen Welt, und gerade in dieser unvollkommenen Welt muss sich die Liebe immer wieder bewähren: wenn der Bruder oder die Schwester gegen einen sündigt, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten und Streitereien kommt, wenn andere wenig liebenswert erscheinen, gerade dann ist es gut, sich an diese Liebe zu erinnern, die das Evangelium aufträgt: eine Liebe, die niemanden ausschließt und die versucht, jeden und jede wertschätzend zu behandeln.

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