Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny
Wasser ist
ein ungemein wichtiges Element. Das wissen wir alle, auch wenn bei uns Wasser
nicht so Mangelware ist wie in anderen trockenen Gebieten – z.B. auch in der
Heimat Jesu. Dort warteten die Menschen, vor allem die Bauern um so
sehnsüchtiger auf den lebenspendenden Regen oder mussten ihre Felder mühsam
bewässern, um etwas ernten zu können.
Und auch
sonst ist Wasser etwas sehr Kostbares, überall wo uns Wasser begegnet: in einer
erfrischenden Dusche, im fröhlich dahinplätschernden Bergbach oder auch im
Planschbecken, in dem Kinder voll Freude spielen. Und natürlich dient es immer
wieder dazu, den Durst zu stillen.
So eben auch
bei Jesus, der nach seiner Wanderung und seiner Ankunft in Sychar seinen Durst
stillen wollte - mit dem klaren, erfrischenden Brunnenwasser.
Doch bald
geht es dann um anderes Wasser, um das lebendige Wasser, das Jesus der Frau
schenken will. Die Frau meinte zunächst, Jesus wollte für sie Wasser aus dem
Brunnen holen. Doch Jesus will ihr natürlich etwas anderes geben, etwas, das
sie - und nicht nur sie - genauso dringend braucht wie Wasser.
Und damit
stellt uns diese Erzählung vor die Frage: was brauchen wir eigentlich im Leben
so notwendig wie Wasser? Was erfrischt, belebt und stärkt uns in unserem
Alltag? Und da denke ich jetzt weniger an materielle Dinge, die wir
selbstverständlich auch brauchen: Neben dem Wasser das Essen, oder auch die
Kleidung, das Dach über dem Kopf.
Aber gibt es
nicht noch andere lebensnotwendige Dinge, die man nicht greifen und nicht
kaufen kann, aber doch so wertvoll sind?
Bei der Suche
nach Antworten kann da ein Blick in diese Erzählung von der Begegnung am
Jakobsbrunnen helfen.
Ein erstes
wichtiges Stichwort ist das Ansehen. Das Wort kommt ja daher, das jemand einen
anderen ansieht. Das hat Jesus damals getan, er sieht die Frau an, er übersieht
sie nicht – wie es damals in der männerdominierten Gesellschaft allzuoft die
Regel war. Jesus schenkt der Frau Aufmerksamkeit und verleiht ihr damit
Ansehen.
Damit
verbunden ist die Wertschätzung. Jesus begegnet der Frau durchaus mit Respekt.
Das zeigt sich schon in der Länge des Gespräches. Damals war es ja eher
ungewöhnlich um nicht zu sagen unschicklich, wenn Männer sich in der
Öffentlichkeit mit fremden Frauen unterhielten – zumal dann, wenn sie noch
anderen Glaubens waren. Deshalb ja auch die verwunderte Frage der Frau: „Wie
kannst du als Jude mich, eine Samariterin um Wasser bitten?“ Jesus freilich kümmert sich nicht um solche
gesellschaftlichen Regeln, er nimmt sich die Zeit für die Frau. Die
Wertschätzung bedeutet freilich keineswegs, dass er nicht auch ihre Schwächen
sieht.
Es scheint
ja, dass in ihrem bisherigen Leben so manches drunter und drüber gegangen war:
fünf Männern hatte sie gehabt, und der jetzige ist nicht ihr Mann. Da scheint
einiges schief gegangen zu sein. Das weiß und sieht Jesus, trotzdem bringt er
ihr Wertschätzung entgegen.
Und damit
schenkt er ihr zugleich neue Hoffnung und Lebensmut. Die Frau spürt, wie
wohltuend für sie die Begegnung ist, ja sie ahnt, dass er der Messias sein
könnte, der, der ihr Heil und Rettung bringt. Und auch wenn wir nicht wissen,
wie das Leben dieser Frau weiter verlief, ich vermute doch, diese Begegnung
blieb ihr in Erinnerung und hat ihr Leben geprägt.
Für die Frau war also das
das lebendige Wasser, das sie von Jesus erhalten hat: er schenkt ihr Ansehen
und Wertschätzung, neue Hoffnung und neuen Lebensmut. Und hier kann man
durchaus nachvollziehen, dass dieses Bild vom lebendigen Wasser stimmig ist:
wie ein wenig Wasser eine halbverdorrte Pflanze dazu bringen kann, die
herunterhängenden Blätter wieder aufzurichten, so wird die Frau durch die
Begegnung mit Jesus wieder aufgerichtet. Wie das Wasser einen ausgelaugten
Boden wieder fruchtbar macht, so kann - das beweist die Frau am Brunnen - die
Begegnung mit Jesus einem ausgelaugten Menschen neue Kraft geben.
Was brauchen wir zum Leben? Was ist für uns dieses lebendige Wasser?
Sicher ließe sich noch anderes ergänzen. Aber das, was die Frau am
Jakobsbrunnen erfahren hat – in der Begegnung mit Christus, das gehört doch für
die meisten dazu: Wertschätzung, Hoffnung und neuen Lebensmut. Amen.
Das Evangelium endete mit
den Worten Jesu: „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber
sagt ihr: wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“ Einige von den Pharisäern,
die mit Jesus streiten, meinen zwar, der Blindgeborene sei ganz und gar in
Sünden geboren und auch Jesus sei ein Sünder, aber sie erkennen nicht ihre
eigene Finsternis. Wer sich einbildet, im Licht zu sein, aber in seiner
Finsternis doch blind bleibt, dem bleibt seine Sünde erhalten: „Jetzt aber
sagt ihr: wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“ Wer sich aber seiner
Finsternis bewusst ist, wer seine Blindheit zugibt, dessen Finsternis kann vom
Licht der Vergebung erhellt werden, und er wird wahrhaft sehend.
Die Sünde berührt nicht
nur den einzelnen Sünder individuell, sondern immer auch seine Mitmenschen, und
dass sie vor allem Gott selbst betrifft. Nur jemand, der allmächtig ist, kann
darum wirklich wieder gut machen, was ich z.B. durch eine Lüge angerichtet
habe.
Dass wir mit jeder Sünde
nicht nur uns selbst und den Mitmenschen schaden, sondern Gott beleidigen, ist
auch wichtig für die Reue, die ja eine Voraussetzung für die Vergebung ist.
Bereue ich nur, weil ich mir selbst geschadet habe? Bereue ich nur, weil ich
dem Mitmenschen wehgetan habe? Oder spüre ich auch Reue, weil ich Gott, das
höchste Gut, beleidigt habe, Ihn in seiner Liebe betroffen, Jesus sein Kreuz
schwer gemacht habe? Je tiefer ich das erkenne, desto kräftiger wird meine
Reue.
Eine Sünde kann uns nicht
einfach von dem geschädigten Mitmenschen vergeben werden, weil sie immer auch
Gott betrifft. Jesus sagt ja: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan
habt, das habt ihr mir getan.“ Darum können und sollen wir zwar einander
verzeihen als Voraussetzung dafür, selber Verzeihung zu erlangen, aber die
Sünde wahrhaft hinwegnehmen kann allein Gott. Wirklich entschuldigen kann nur
Gott, der diese Fähigkeit seiner Kirche als Vollmacht übertragen hat: „Wem
ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“. Außerdem meinen wir ja mit
dem Uns-Entschuldigen oft etwas ganz anderes. „Ich entschuldige mich, dass
ich zu spät komme, die Schranken waren unten“. Das meint ja in
Wirklichkeit: „Ich bin nicht schuld, weil ich etwa zu spät losgegangen wäre,
sondern die Schranken sind schuld.“ Wirklich entschuldigen kann nur Gott.
In der ersten Lesung
haben wir gehört, dass Gott ins Herz sieht: „Der Mensch sieht, was vor Augen
ist, der Herr aber sieht das Herz.“ Darum dürfen wir einander auch nicht
verurteilen. Nur Gott sieht ins Herz und zwar bis in den letzten, verborgenen
Winkel. Was sieht Gott, wenn er in unser Herz schaut? Er sieht Helles und
Dunkles, Licht und Finsternis. Das Licht ist unsere Liebe, unsere Bereitschaft
zum Guten, unsere guten Werke, die auch oft von den Menschen nicht gesehen
werden. Die Finsternis, das ist unsere Sünde, der Mangel an Liebe, meine
kleinen und großen Egoismen, Lügen. Im Epheserbrief (Zweite Lesung) haben wir
heute gehört: „Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den
Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, deckt sie vielmehr auf!“
Man kann dieses Aufdecken so verstehen, dass wir in unserer Gemeinschaft das
Böse, das jemand tut, im Gespräch aufdecken sollen. Wenn wir sehen, dass jemand
etwas Böses tut, z.B. sich das Geld anderer aneignet, sollen wir dieses
Verhalten nicht einfach mit dem Mantel des Schweigens bedecken, sondern bei
passender Gelegenheit ansprechen und durch dieses Aufdecken den Täter dazu
bringen, sich zu ändern. Aber ich glaube, dass wir das auch direkt auf uns
selbst beziehen können, jeder für sich, denn es heißt im Folgenden: „Alles,
was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Denn alles Erleuchtete aber ist
Licht.“
Liebe Brüder und
Schwestern, ist das nicht eine wunderbare Beschreibung des Wunders der Beichte?
Denn was tun wir denn in der Beichte? Wir decken auf. Wir decken nicht die
schlechten Taten unserer Mitmenschen auf, wie wir das so gern bei Klatsch und
Tratsch tun, sondern wir decken die eigenen auf. Wir tun dies im ehrlichen
Bekenntnis, nach einer guten Gewissenserforschung. Wir legen alles ehrlich auf
den Tisch, ohne etwas zu verheimlichen: „Vor Gott und der Kirche bekenne ich
meine Sünden“. Ich decke auf, was Gott schon weiß und schon sieht. Aber
dadurch öffne ich mich jetzt selbst für das Licht der Vergebung. „Denn alles,
was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. „Alles Erleuchtete aber ist
Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und
Christus wird dein Licht sein.“
In einem Beichtstuhl ist
es oft Dunkel. Aber dieses Dunkel ist nicht das Dunkel der Sünde, sondern das
Dunkel der Diskretion. Hier leuchten nicht die Blitzlichter eines
Enthüllungsjournalismus, der andere bloßstellt, hier leuchten nicht die grellen
Scheinwerfer der Fernsehtalkshows, wo Menschen vor einer neugierigen
Öffentlichkeit ihr Innerstes nach außen kehren, ihre Bekenntnisse ablegen und
doch keine Vergebung erhalten. Im Beichtstuhl bleibt in liebevoller Diskretion
alles, was aufgedeckt wird, vom strikten Beichtgeheimnis geschützt. Äußerlich
gesehen ist der Beichtstuhl oft ein dunkler Ort, aber was dort geschieht, ist
das Hellste, was es gibt, nämlich die Erleuchtung der Finsternis mit dem Licht
der Barmherzigkeit. Hier ereignet sich, wie Augustinus und Thomas von Aquin
sagen, ein größeres Werk als bei der Erschaffung des ganzen Universums. Aus
einem einzelnen Sünder einen Gerechten zu machen, ist ein größeres Werk als die
Erschaffung des ganzen Universums
Brüder und Schwestern,
wir glauben, dass Brot und Wein in Leib und Blut des Herrn gewandelt werden.
Eine ebensolche Kraft hat das Werk der Barmherzigkeit in der Absolution, wenn
uns gesagt wird: „Ich spreche dich los von deinen Sünden“. Wenn ein
ehrliches Bekenntnis und echte Reue vorliegen mit dem Vorsatz, mich zu bessern,
darf ich gewiss sein, dass ein Wunder der Verwandlung geschieht, das Wunder der
Barmherzigkeit, das nur Gott vollbringen kann und dass größer ist als das
Wunder der Welterschaffung. Der Sünder ist wirklich zu einem Heiligen geworden:
„Denn alles, was aufgedeckt ist, wird
vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht.“