Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny
Jesu Last ist leicht
Predigt für den 14. Sonntag im
Jahreskreis
„Nehmt mein Joch auf euch“ – ein Bild,
mit dem wir heute kaum noch etwas anfangen können. Unterjochen hingegen ist
schon eher bekannt. Es bedeutet unterwerfen und Lasten auflegen, Frondienste
für den Herrscher leisten. Viele Jahrhunderte wurden ganze Völker unterjocht
oder auch regelrecht versklavt. Sie mussten dem siegreichen Fremdherrscher und
seinem Volk dienen und sorgten so dafür, dass die Herrschenden und Besitzenden
ein ruhiges und gelassenes Leben hatten, während sie selber unterdrückt und
ausgebeutet wurden, ohne Rechte, aber mit vielen Aufgaben und Arbeiten
belastet. Unterjocht werden und sein war mit das Schlimmste, was einem
geschehen konnte, es wollte niemand freiwillig.
Unterjocht und ausgenutzt
Diese Zeiten scheinen uns heute unendlich
weit weg zu sein. Unterjochung, so meinen wir, gibt es in unserer Welt heute
nicht mehr. Und doch täuschen wir uns, denn wir unterjochen uns viele Menschen
auf unterschiedlichste Art. Angefangen bei den Fabrikarbeiterinnen, die zu
Hungerlöhnen unsere Kleidung herstellen, oder denen, die in den Minen unter
lebensgefährlichen Bedingungen die Rohstoffe für unsere Smartphones abbauen,
über die nahezu rechtlosen Hausmädchen und Fremdarbeiter in den Staaten am Golf
oder den Philippinas in Hongkong bis hin zu den Frauen, die als
Sexarbeiterinnen – oft gezwungen – bei uns ausgenutzt und ausgebeutet werden.
Und das sind nur einige Beispiele moderner Sklaverei und Unterjochung, die sich
problemlos erweitern ließen. Wir sind nicht immer die, die direkt handeln und
ausbeuten, aber die, die durch das Handeln anderer indirekt profitieren.
Selbstunterjochung
Gleichzeitig unterjochen wir uns selber
und laden uns die verschiedensten Lasten auf, häufig ohne es selbst zu merken.
Schneller, höher, weiter heißt es im Sport, reicher, mächtiger, bedeutender und
einflussreicher im Beruf und Leben. Wir wollen etwas sein, eine Bedeutung
haben. Manchmal übernehmen wir Aufgaben für Andere, weil wir uns nicht trauen,
Nein zu sagen. Manchmal belasten uns Aufgaben, ohne dass wir es richtig merken.
Und wenn wir es bemerken, wissen wir selten, wie wir gut aus dieser Nummer rauskommen
könne. Andere vergleichen sich ständig und wollen noch besser sein, noch mehr
haben, noch reicher sein. Und im Zweifel klagen wir auf ganz hohem Niveau. Wir
vergessen, dass andere Menschen, die weitaus weniger haben, auch leben können,
und das oft richtig gut. Sie könnten uns zeigen, wie gelingendes Leben ohne
unendliche Belastungen gehen könnte, doch wir verfallen lieber dem Wahn, noch
mehr haben zu müssen, und bürden uns unnötige Lasten auf.
Du bist du, das ist der Clou
Ganz anders Jesus, er lädt uns alle, die
wir mühselig und beladen sind, ein, sein Joch auf uns zu nehmen – oder anders
gesagt, uns ihm freiwillig zu unterjochen. Er spricht davon, dass sein Joch
sanft ist und seine Last leicht. Gleichzeitig sagt er uns, dass wir von ihm
lernen sollen, damit wir Ruhe finden. Das scheint im ersten Moment ein
Widerspruch, etwas Unmögliches zu sein. Ein Joch aufzunehmen, sich zu
unterjochen und dadurch Ruhe zu finden – wie soll das gehen? Nun, wenn wir das
Joch Jesu aufnehmen, dann lassen wir uns von ihm in Dienst nehmen. Das heißt
dann, ihm zu folgen und seine Liebe zu uns zu entdecken, denn er ist gütig.
Mehr noch, er nimmt uns die Last, etwas Besonderes sein zu müssen. So wie ich
bin, so wie du bist, sind wir für ihn perfekt und von ihm unendlich geliebt.
Und sein Auftrag an uns, der Dienst, den wir leisten und erbringen sollen, ist
nichts anderes, als diese Liebe zu leben und weiterzugeben. „Nehmt mein Joch
auf euch und lernt von mir,“ meint letztlich nichts anderes als „Liebt
einander, so wie ich euch geliebt habe.“ Und dieses Joch dürfen und können wir
aufnehmen, es wird uns verändern, von Lasten befreien und lässt uns neu
aufleben.
Liebe
Gemeinde,
es gibt das
bekannte Beispiel von dem Glas, das zur Hälfte gefüllt ist, Sieht der Pessimist
das Glas, sagt er: es ist halb leer. Der Optimist dagegen sagt: es ist halb
voll. Dieses halbleere bzw. halbvolle Glas fiel mir wieder bei diesem Gleichnis
ein. Denn auch hier hängt vieles von der Einstellung oder Sichtweise ab: der
Pessimist sagt: dreiviertel der Mühe ist umsonst, ist nur für die Katz – bzw.
die Vögel oder die Dornen, dreiviertel der Körner gehen verloren … Der Optimist
sagt: am Ende bleibt doch noch genug übrig für eine gute Ernte.
Der Pessimist
schaut auf die Verluste und ist frustriert über die viele vergebliche Mühe, der
Optimist schaut auf die Ernte und freut sich, dass doch manches gewachsen ist.
Und ich
glaube, ähnliche Erfahrungen gibt es auch heute immer wieder – nicht nur im
Garten, wo mancher Salat den Schnecken zum Opfer fällt, sondern auch im Leben,
wo manche Mühe vergeblich erscheint. Ich vermute beispielsweise, dass manche
Eltern bei der Erziehung auch das Gefühl haben, dass nicht alle Saatkörner
gleich aufgehen. Und sie stehen dann vielleicht auch vor der Wahl, entweder
pessimistisch auf die vergebliche Liebesmüh zu schauen, oder doch die Hoffnung
haben, das eine oder andere Saatkorn gelegt zu haben, dass dann doch wächst und
gedeiht und Frucht trägt.
Oder wenn man
sich für eine gute Sache einsetzt. Auch da gibt es oft genug steinige Wege oder
die Dornen, die den Erfolg schwer machen, und doch mag es sich lohnen, dran zu
bleiben.
Und ähnlich
ist es offensichtlich auch im Reich Gottes: Wer sich im Sinne dieses Reiches
für Frieden, für Liebe, für Mitmenschlichkeit einsetzt, oder wer sich in der
Kirche ehrenamtlich engagiert, der darf offensichtlich auch nicht erwarten,
dass jedes Saatkorn gleich aufgeht. Jesu eigener Weg war oft genug steinig und
dornig. Auch er hatte mit manchen Misserfolgen, mit Nichtbeachtung oder
Ablehnung zu kämpfen.
Aber Jesu
Position ist eindeutig auf der Seite des Optimisten. So schade es ist, dass
manche Körner Opfer der Vögel oder der Dornen werden, am Ende steht für ihn die
Ernte: 30fach, 60fach, ja 100fach. Deshalb steckt in diesem Gleichnis für mich
vor allem die Botschaft: schaut nicht zu sehr auf manche vergebliche Mühe,
schaut nicht zu sehr auf die bedauerlichen Rückschläge und Misserfolge. Schaut
auf das, was trotz allem wächst. Der Glaube verschließt nicht die Augen vor den
Dornen und Steinen, aber im Glauben können wir doch voller Optimismus nach
vorne schauen.
Ein Hinweis
ist mir dabei noch wichtig. Man könnte ja nun denken, der Sämann, der den Samen
zwischen die Steine oder in die Dornen sät, sei eben ein reichlich
ungeschickter oder gar fauler Sämann, der die Dornen nicht ausreißt oder nicht
aufpasst, wohin er sät. Aber das will Jesus sicher nicht andeuten. In einer
Zeit, als es keine Traktoren, keine Unkrautvernichtungsmittel und keinen Dünger
gab, dafür in vielen Gegenden Israels umso mehr steinige Böden, war es schlicht
die Realität vieler Bauern, dass sie mit Steinen und Dornen zu kämpfen hatten.
Üppige Getreidefelder, wie wir sie kennen, mit dicht an dicht stehenden Halmen
ohne Unkraut dazwischen gab es damals einfach nicht.
Es geht also
nicht darum, die Arbeit dieses Sämanns schlecht zu reden, sondern im Gegenteil,
ihn als Vorbild zu nehmen, weil er trotz Hindernissen weiter sät – im
Vertrauen, dass am Ende doch etwas gedeiht und Frucht bringt.
Und ähnlich
ist es auch im übertragenen Sinn, bei den genannten Beispielen: wer in der
Erziehung oder im ehrenamtlichen Engagement oder wo auch immer mit manchen Enttäuschungen,
Misserfolgen, mancher vergeblicher Mühe zu kämpfen hat, der muss keineswegs
schlechte Arbeit gemacht haben. Im Gegenteil, das Gleichnis ermutigt ihn: trotz
mancher frustrierenden Erfahrung – gib nicht auf zu säen und gib nicht auf zu
hoffen: am Ende kann trotz Steinen und Dornen manches wachsen. Jedenfalls wäre
es schön, wenn es im Leben wie im Gleichnis ist: Am Ende steht nicht die
Enttäuschung, am Ende steht die Freude. Amen.