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Aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit Kirchenblatt

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny

IsnyAktuell


Predigt am 8.3.2026; 3. Fastensonntag: "Lebendiges Wasser" (Joh 4); Pfr. E. Jans 

Wasser ist ein ungemein wichtiges Element. Das wissen wir alle, auch wenn bei uns Wasser nicht so Mangelware ist wie in anderen trockenen Gebieten – z.B. auch in der Heimat Jesu. Dort warteten die Menschen, vor allem die Bauern um so sehnsüchtiger auf den lebenspendenden Regen oder mussten ihre Felder mühsam bewässern, um etwas ernten zu können.

Und auch sonst ist Wasser etwas sehr Kostbares, überall wo uns Wasser begegnet: in einer erfrischenden Dusche, im fröhlich dahinplätschernden Bergbach oder auch im Planschbecken, in dem Kinder voll Freude spielen. Und natürlich dient es immer wieder dazu, den Durst zu stillen.

So eben auch bei Jesus, der nach seiner Wanderung und seiner Ankunft in Sychar seinen Durst stillen wollte - mit dem klaren, erfrischenden Brunnenwasser.

Doch bald geht es dann um anderes Wasser, um das lebendige Wasser, das Jesus der Frau schenken will. Die Frau meinte zunächst, Jesus wollte für sie Wasser aus dem Brunnen holen. Doch Jesus will ihr natürlich etwas anderes geben, etwas, das sie - und nicht nur sie - genauso dringend braucht wie Wasser.

Und damit stellt uns diese Erzählung vor die Frage: was brauchen wir eigentlich im Leben so notwendig wie Wasser? Was erfrischt, belebt und stärkt uns in unserem Alltag? Und da denke ich jetzt weniger an materielle Dinge, die wir selbstverständlich auch brauchen: Neben dem Wasser das Essen, oder auch die Kleidung, das Dach über dem Kopf.

Aber gibt es nicht noch andere lebensnotwendige Dinge, die man nicht greifen und nicht kaufen kann, aber doch so wertvoll sind?

Bei der Suche nach Antworten kann da ein Blick in diese Erzählung von der Begegnung am Jakobsbrunnen helfen.

Ein erstes wichtiges Stichwort ist das Ansehen. Das Wort kommt ja daher, das jemand einen anderen ansieht. Das hat Jesus damals getan, er sieht die Frau an, er übersieht sie nicht – wie es damals in der männerdominierten Gesellschaft allzuoft die Regel war. Jesus schenkt der Frau Aufmerksamkeit und verleiht ihr damit Ansehen.

Damit verbunden ist die Wertschätzung. Jesus begegnet der Frau durchaus mit Respekt. Das zeigt sich schon in der Länge des Gespräches. Damals war es ja eher ungewöhnlich um nicht zu sagen unschicklich, wenn Männer sich in der Öffentlichkeit mit fremden Frauen unterhielten – zumal dann, wenn sie noch anderen Glaubens waren. Deshalb ja auch die verwunderte Frage der Frau: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin um Wasser bitten?“ Jesus freilich kümmert sich nicht um solche gesellschaftlichen Regeln, er nimmt sich die Zeit für die Frau. Die Wertschätzung bedeutet freilich keineswegs, dass er nicht auch ihre Schwächen sieht.

Es scheint ja, dass in ihrem bisherigen Leben so manches drunter und drüber gegangen war: fünf Männern hatte sie gehabt, und der jetzige ist nicht ihr Mann. Da scheint einiges schief gegangen zu sein. Das weiß und sieht Jesus, trotzdem bringt er ihr Wertschätzung entgegen.

Und damit schenkt er ihr zugleich neue Hoffnung und Lebensmut. Die Frau spürt, wie wohltuend für sie die Begegnung ist, ja sie ahnt, dass er der Messias sein könnte, der, der ihr Heil und Rettung bringt. Und auch wenn wir nicht wissen, wie das Leben dieser Frau weiter verlief, ich vermute doch, diese Begegnung blieb ihr in Erinnerung und hat ihr Leben geprägt.

Für die Frau war also das das lebendige Wasser, das sie von Jesus erhalten hat: er schenkt ihr Ansehen und Wertschätzung, neue Hoffnung und neuen Lebensmut. Und hier kann man durchaus nachvollziehen, dass dieses Bild vom lebendigen Wasser stimmig ist: wie ein wenig Wasser eine halbverdorrte Pflanze dazu bringen kann, die herunterhängenden Blätter wieder aufzurichten, so wird die Frau durch die Begegnung mit Jesus wieder aufgerichtet. Wie das Wasser einen ausgelaugten Boden wieder fruchtbar macht, so kann - das beweist die Frau am Brunnen - die Begegnung mit Jesus einem ausgelaugten Menschen neue Kraft geben.

Was brauchen wir zum Leben? Was ist für uns dieses lebendige Wasser? Sicher ließe sich noch anderes ergänzen. Aber das, was die Frau am Jakobsbrunnen erfahren hat – in der Begegnung mit Christus, das gehört doch für die meisten dazu: Wertschätzung, Hoffnung und neuen Lebensmut. Amen.

Predigt am 15.3.2026;  "Umkehr als Hinwendung zu Gott" ; Pfr. Dieter Huynh

Das Evangelium endete mit den Worten Jesu: „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“ Einige von den Pharisäern, die mit Jesus streiten, meinen zwar, der Blindgeborene sei ganz und gar in Sünden geboren und auch Jesus sei ein Sünder, aber sie erkennen nicht ihre eigene Finsternis. Wer sich einbildet, im Licht zu sein, aber in seiner Finsternis doch blind bleibt, dem bleibt seine Sünde erhalten: „Jetzt aber sagt ihr: wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“ Wer sich aber seiner Finsternis bewusst ist, wer seine Blindheit zugibt, dessen Finsternis kann vom Licht der Vergebung erhellt werden, und er wird wahrhaft sehend.

Die Sünde berührt nicht nur den einzelnen Sünder individuell, sondern immer auch seine Mitmenschen, und dass sie vor allem Gott selbst betrifft. Nur jemand, der allmächtig ist, kann darum wirklich wieder gut machen, was ich z.B. durch eine Lüge angerichtet habe.

Dass wir mit jeder Sünde nicht nur uns selbst und den Mitmenschen schaden, sondern Gott beleidigen, ist auch wichtig für die Reue, die ja eine Voraussetzung für die Vergebung ist. Bereue ich nur, weil ich mir selbst geschadet habe? Bereue ich nur, weil ich dem Mitmenschen wehgetan habe? Oder spüre ich auch Reue, weil ich Gott, das höchste Gut, beleidigt habe, Ihn in seiner Liebe betroffen, Jesus sein Kreuz schwer gemacht habe? Je tiefer ich das erkenne, desto kräftiger wird meine Reue.

Eine Sünde kann uns nicht einfach von dem geschädigten Mitmenschen vergeben werden, weil sie immer auch Gott betrifft. Jesus sagt ja: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Darum können und sollen wir zwar einander verzeihen als Voraussetzung dafür, selber Verzeihung zu erlangen, aber die Sünde wahrhaft hinwegnehmen kann allein Gott. Wirklich entschuldigen kann nur Gott, der diese Fähigkeit seiner Kirche als Vollmacht übertragen hat: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“. Außerdem meinen wir ja mit dem Uns-Entschuldigen oft etwas ganz anderes. „Ich entschuldige mich, dass ich zu spät komme, die Schranken waren unten“. Das meint ja in Wirklichkeit: „Ich bin nicht schuld, weil ich etwa zu spät losgegangen wäre, sondern die Schranken sind schuld.“ Wirklich entschuldigen kann nur Gott.

In der ersten Lesung haben wir gehört, dass Gott ins Herz sieht: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ Darum dürfen wir einander auch nicht verurteilen. Nur Gott sieht ins Herz und zwar bis in den letzten, verborgenen Winkel. Was sieht Gott, wenn er in unser Herz schaut? Er sieht Helles und Dunkles, Licht und Finsternis. Das Licht ist unsere Liebe, unsere Bereitschaft zum Guten, unsere guten Werke, die auch oft von den Menschen nicht gesehen werden. Die Finsternis, das ist unsere Sünde, der Mangel an Liebe, meine kleinen und großen Egoismen, Lügen. Im Epheserbrief (Zweite Lesung) haben wir heute gehört: „Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, deckt sie vielmehr auf!“ Man kann dieses Aufdecken so verstehen, dass wir in unserer Gemeinschaft das Böse, das jemand tut, im Gespräch aufdecken sollen. Wenn wir sehen, dass jemand etwas Böses tut, z.B. sich das Geld anderer aneignet, sollen wir dieses Verhalten nicht einfach mit dem Mantel des Schweigens bedecken, sondern bei passender Gelegenheit ansprechen und durch dieses Aufdecken den Täter dazu bringen, sich zu ändern. Aber ich glaube, dass wir das auch direkt auf uns selbst beziehen können, jeder für sich, denn es heißt im Folgenden: „Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Denn alles Erleuchtete aber ist Licht.“

Liebe Brüder und Schwestern, ist das nicht eine wunderbare Beschreibung des Wunders der Beichte? Denn was tun wir denn in der Beichte? Wir decken auf. Wir decken nicht die schlechten Taten unserer Mitmenschen auf, wie wir das so gern bei Klatsch und Tratsch tun, sondern wir decken die eigenen auf. Wir tun dies im ehrlichen Bekenntnis, nach einer guten Gewissenserforschung. Wir legen alles ehrlich auf den Tisch, ohne etwas zu verheimlichen: „Vor Gott und der Kirche bekenne ich meine Sünden“. Ich decke auf, was Gott schon weiß und schon sieht. Aber dadurch öffne ich mich jetzt selbst für das Licht der Vergebung. „Denn alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. „Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.“

In einem Beichtstuhl ist es oft Dunkel. Aber dieses Dunkel ist nicht das Dunkel der Sünde, sondern das Dunkel der Diskretion. Hier leuchten nicht die Blitzlichter eines Enthüllungsjournalismus, der andere bloßstellt, hier leuchten nicht die grellen Scheinwerfer der Fernsehtalkshows, wo Menschen vor einer neugierigen Öffentlichkeit ihr Innerstes nach außen kehren, ihre Bekenntnisse ablegen und doch keine Vergebung erhalten. Im Beichtstuhl bleibt in liebevoller Diskretion alles, was aufgedeckt wird, vom strikten Beichtgeheimnis geschützt. Äußerlich gesehen ist der Beichtstuhl oft ein dunkler Ort, aber was dort geschieht, ist das Hellste, was es gibt, nämlich die Erleuchtung der Finsternis mit dem Licht der Barmherzigkeit. Hier ereignet sich, wie Augustinus und Thomas von Aquin sagen, ein größeres Werk als bei der Erschaffung des ganzen Universums. Aus einem einzelnen Sünder einen Gerechten zu machen, ist ein größeres Werk als die Erschaffung des ganzen Universums



Brüder und Schwestern, wir glauben, dass Brot und Wein in Leib und Blut des Herrn gewandelt werden. Eine ebensolche Kraft hat das Werk der Barmherzigkeit in der Absolution, wenn uns gesagt wird: „Ich spreche dich los von deinen Sünden“. Wenn ein ehrliches Bekenntnis und echte Reue vorliegen mit dem Vorsatz, mich zu bessern, darf ich gewiss sein, dass ein Wunder der Verwandlung geschieht, das Wunder der Barmherzigkeit, das nur Gott vollbringen kann und dass größer ist als das Wunder der Welterschaffung. Der Sünder ist wirklich zu einem Heiligen geworden:

„Denn alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht.“


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