Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny
Liebe
Gemeinde,
„Hab
Mut, steh auf“ – so hieß das Motto des Katholikentages, der letzten Sonntag
endete. Ich finde das ein schönes Leitwort, das auch gut zum Heiligen Geist
passt: „Hab Mut, steh auf“.
Denn bei all
den vielen Gaben und Funktionen, die dem Geist zugeschrieben werden, ist er
doch vor allem immer wieder der große Mutmacher, der Menschen stärkt und
aufrichtet, ihnen Kraft und Mut für ihr Leben gibt.
Einen solchen
Mutmacher können wir in verschiedenen Situationen gut brauchen. Das gilt z.B.,
wenn es einem schlecht geht, wenn man sich in einer Krise befindet, wenn eine
schwere Krankheit einen plagt, wenn man mit großen Sorgen zu kämpfen hat. „Hab
Mut, steh auf“ – dieser Satz stammt ursprünglich aus der Erzählung des blinden
Bartimäus. Zu ihm sagen die Leute: „Hab Mut, steh auf – Jesus ruft dich, er
wird dir helfen.“ ER erinnert mich aber auch an die Geschichte mit dem
sterbenskranken Mädchen, dem Jesus Mut macht und neues Leben einhaucht, in dem
er ihr sagt: „Steh auf“. Der Heilige Geist ist Tröster und Beistand genau in
solchen schwierigen existentiellen Situationen, dann wenn wir nach Quellen
neuer Kraft und neuen Mutes suchen. Wo uns aller Mut zu verlassen droht, da
will der Heilige Geist uns neuen Mut schenken. Wo wir kurz davor sind, die
Hoffnung aufzugeben, da sagt der Geist, hab Mut, ich steh dir bei – gerade
dann, wenn der Weg schwierig wird.
„Hab Mut,
steh auf“ – ich denke bei diesem Satz aber auch an andere Zusammenhänge. Nehmen
wir die Jünger nach Ostern. Im Evangelium haben wir es gehört: sie waren ein
verängstigtes Häufchen, hatten sich aus Furcht eingeschlossen. Ihnen schenkt
der Auferstandene den neuen Geist: den Geist, der Mut macht, der ihnen hilft,
aufzustehen und hinauszugehen, um die frohe Botschaft weiterzugeben – gegen so
manche Widerstände. Deshalb gilt Pfingsten ja auch als Geburtstag der Kirche:
weil die Jünger nun beginnen, zu ihrem Glauben zu stehen und das Evangelium zu
verbreiten. Nun, mit dem neuen Geist und mit neuem Mut, lassen sie sich durch
nichts davon abbringen und stehen selbst dann noch zu ihren Überzeugungen, als
sie verfolgt und ins Gefängnis geworfen werden.
„Hab Mut,
steh auf“ – diesen Satz darf man also durchaus auch als Aufforderung zum
mutigen Bekenntnis verstehen. Und das ist ebenso in der heutigen Welt gefragt.
„Hab Mut,
steh auf“ – steh auf gegen das Unrecht in der Welt, steh auf gegen Egoismus und
Gleichgültigkeit, steh auf gegen die, die mit ihren populistischen
Halbwahrheiten Menschen verführen. Steh auf – und stehe ein für Gerechtigkeit,
für Solidarität, für ein gutes Miteinander über alle Grenzen hinweg.
Letzteres ist
ja gerade das, was den Geist auch auszeichnet. Er ist nicht nur Mutmacher, er
ist auch der, der Menschen über alle Grenzen hinweg zu einer großen
Gemeinschaft verbindet. Das drückt das pfingstliche Sprachwunder aus: Menschen
aus aller Herren Länder verstehen sich plötzlich. Und mit „Verstehen“ ist hier
mehr gemeint, als nur die Sprache des anderen zu verstehen. Echtes Verstehen
bedeutet: dass ich dem anderen wirklich zuhöre, seine Anliegen wahrnehme, seine
Sorgen ernstnehme. Nur so kann ein gutes Miteinander entstehen.
Hier braucht
es dann aber wohl noch eine Gabe des Geistes: die Weisheit der Unterscheidung.
Oft ist es sicher gut, mutig zu seinen Überzeugungen zu stehen, unbeirrt seinen
Weg weiterzugehen. Aber was, wenn das gar nicht der richtige Weg ist? So
braucht es manchmal auch den Mut, gerade nicht auf seiner Meinung zu beharren,
sondern sich von anderen überzeugen zu lassen. Und es braucht die Weisheit zu
unterscheiden: Wo sollte ich weiter unbeirrt zu meinen Überzeugungen stehen?
Oder wo ist gerade der Mut gefragt, umzukehren? Auch die Umkehr, das Abweichen
von verfestigten Meinungen kann ja durchaus Mut erfordern.
Und so dürfen
wir uns heute am Fest des Heiligen Geistes neuen Mut zusprechen lassen: Hab
Mut, steh auf. Mit dem Beistand des Heiligen Geistes kannst du den Weg suchen,
der für dich der richtige ist. Der Heilige Geist kann dir die Kraft geben,
deinen Weg zu gehen. Amen.
Liebe
Gemeinde,
„Ist der Kelch des
Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist
das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“ So fragte Paulus in der Lesung, die wir
vorher gehört haben. So knapp diese Sätze sind, so bedeutsam sind sie auch.
Zunächst ist da
vom Kelch des Segens die Rede. Beim
Brot könnte man den Segen ebenfalls ergänzen: Was wir heute feiern, ist das
Brot des Segens.
Segen heißt: da
meint es jemand gut mit uns. Und Segen ist zugleich immer ein Geschenk. Ich
kann mich nicht selber segnen, und ich kann den Segen auch nicht erzwingen oder
einklagen. Segen ist ein Geschenk des Himmels
Genauso ist es mit
dem Brot des Segens, das heute im Mittelpunkt steht. Es zeigt: da meint es
jemand gut mit uns. Und allein schon diese Zusage kann uns Mut machen für
unsere Wege. Und dieses Brot ist natürlich im wahrsten Sinn des Wortes ein
Geschenk des Himmels. Weil es letztlich Gott selbst ist, der uns in diesem Brot
zeigt: ihr seid mir wichtig, ich lasse euch nicht allein auf eurem Weg.
Gleichzeitig
spricht der Apostel Paulus auch davon, dass dieses stärkende, wohltuende Brot
Teilhabe am Leib Christi bedeutet. Teilhabe am Leib Christi – das drückt
zunächst die Verbundenheit mit Christus selbst aus. Mit diesem Brot sind wir
hineingenommen in die segensreiche Gemeinschaft mit Christus, haben teil an
seiner Liebe.
Wenn Paulus vom
Leib Christi spricht, klingt da aber auch die Gemeinschaft der Christen an. Sie
vergleicht Paulus immer wieder mit dem Leib. Auch in der Lesung klang dies an:
„Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an
dem einen Brot.“ Dieses Brot bringt uns also nicht nur in Berührung mit Jesus
Christus, es stiftet auch die Gemeinschaft untereinander. Es vermittelt uns
nicht nur den Segen Gottes, es soll auch helfen, dass wir füreinander Segen
sein können. Das jedenfalls erhofft sich Paulus für die Gemeinde in Korinth,
und das ist auch ein erstrebenswertes Ziel für uns heute: die Gemeinde der
Christen als eine segensreiche Gemeinschaft, in der wir wohlwollend und
wohltuend miteinander umgehen, in der wir füreinander da sind und miteinander
uns auf den Weg machen.
Freilich kommt
gerade heute mit der Fronleichnamsprozession noch etwas Wichtiges hinzu: wenn
wir nachher hinausgehen mit der Monstranz, mit diesem Brot des Segens, so heißt
das doch: wir wollen den Segen nicht für uns behalten. Wir wollen ihn
hinaustragen in die Welt, hier in unsere Stadt, zu den Menschen, die hier
wohnen, aber letztlich auch hinaus in alle Welt.
Dabei ist mir ein
doppeltes wichtig: einerseits zeigen wir mit der Prozession unsere Freude am
Glauben, unsere Freude über die Schätze des Glaubens – und mit den Schätzen
sind nun weniger die wertvolle Monstranz oder die Fahnen gemeint, sondern
letztlich die frohe Botschaft. Und diese Freude wollen wir hinaustragen in die
Welt. Andererseits müssen wir als Kirche durchaus auch selbstkritisch sagen:
nicht immer war die Kirche für die Welt nur ein Segen. Manchmal hat sie auch
Schmerz und Leid verursacht – sei es durch persönliche Fehler ihrer
Repräsentanten, sei es durch schädliche Strukturen. Schon deshalb ist diese
Prozession für mich auch keineswegs ein Triumphzug, sondern eher eine
Absichtserklärung: wir wollen es besser machen, wir wollen den Segen
hinaustragen in die Welt und wollen selbst für andere zum Segen werden.
Amen.