Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny
Liebe
Gemeinde
„Ich bin der
Weg, die Wahrheit und das Leben“ – ein wahrhaft gewichtiger Satz, über den es
sich lohnt, nachzudenken. Vorweg aber eine Bemerkung: Im Johannesevangelium
gibt es mehrere solche Aussagen von Jesus: Ich bin das Licht der Welt, ich bin
der gute Hirte, ich bin die Auferstehung und das Leben oder eben hier: ich bin
der Weg, die Wahrheit und das Leben. Dabei ist zumindest fraglich, ob diese
Sätze wirklich Jesus selbst gesprochen hat. Zum einen tauchen sie eben nur im
Johannesevangelium auf. Noch wichtiger aber ist: Nach allem, was wir über Jesus
wissen, ging es ihm vor allem um seine Botschaft, die Botschaft vom Reich
Gottes, die Botschaft von der Liebe und der Solidarität. Und auch wenn er
durchaus mit dem Selbstbewusstsein auftrat, dass er Entscheidendes zu sagen
hatte, stellte er nie seine Person in den Mittelpunkt.
Umso mehr
haben dann seine Jünger gespürt, dass bei ihm Botschaft und Person eine Einheit
bilden. Deshalb kamen sie zu der Überzeugung: Ja, Jesus Christus ist der Weg,
die Wahrheit und das Leben.
Um nun mit
dem ersten zu beginnen: dem Weg. Wenn Jesus Christus der Weg ist, dann gilt es
da natürlich auf seinen Lebensweg zu schauen. Und dann zeigt sich schnell, was
damit gemeint ist. Sein Weg ist ein Weg des Friedens und der Liebe. Und es
zeigt sich auch: es ist kein einfacher Weg. Zu diesem Weg gehören Hindernisse
und Widerstände, zu diesem Weg gehörte auch das Scheitern am Kreuz. Jesu Weg
ist kein Weg des Triumphes, sondern ein Weg des Dienens, kein Weg der
Machtansprüche, sondern ein Weg der Solidarität mit den Schwachen und
Benachteiligten.
Der Weg Jesu
ist wahrlich kein einfacher Weg, aber – das ist die Überzeugung Jesu – es ist
der einzig wahre Weg. Und damit sind wir schon beim zweiten Stichwort: der
Wahrheit.
Ich finde es
wichtig und bemerkenswert, dass die Wahrheit erst an zweiter Stelle steht, nach
dem Weg. Es ist eben nicht so, dass wir da schon am Ziel wären oder
irgendjemand behaupten könnte, er sei schon im Besitz der Wahrheit. Das kann
auch die Kirche nicht. Auch die Kirche ist auf dem Weg, auch sie muss immer
wieder nach der Wahrheit suchen. Aber sie kann sich dabei eben an Jesus
Christus und seiner Botschaft orientieren. Damit wird auch ein zweites
deutlich:
Es geht bei
der Frage der Wahrheit weniger darum, ob dieser oder jener Sachverhalt wahr
oder falsch ist. Es geht schon gar nicht darum, dass irgendjemand immer recht
hat oder zumindest behauptet, recht zu haben. Es geht bei der Wahrheit vielmehr
um das ganze Leben, es geht um die Suche nach dem richtigen Weg, sein Leben zu
gestalten, wenn man so will: die Suche nach dem wahren Leben (und damit ist ja
schon das dritte Stichwort gegeben). Ich will den Satz so verstehen: wer sich auf
dem Weg seines Lebens an Jesus orientiert, der wird letztlich nicht ganz
fehlgehen. Wer sich an Jesus orientiert wird zwar sicher auch immer wieder mal
eine falsche Entscheidung treffen – weil eben niemand unfehlbar ist. Aber: wer
sich an Jesus orientiert, ist letztlich auf dem Weg zum wahren Leben – auch
wenn dieser Weg so manche Kurven und Kehren und auch manche Hindernisse haben
mag, aber er führt doch zum Ziel.
Liebe Gemeinde,
Ein Traum
wird wahr. So könnte man über das Osterfest schreiben. Ein Traum wird wahr –
für die Jünger damals und für so viele Menschen, die Ostern feiern. Der Traum
von einem neuen Leben, von einem Neuanfang und von der Verheißung einer guten
Zukunft.
Das Kreuz war
der große Alptraum – für Jesus selbst, aber auch für seine Jünger. Es schien
so, als hätten sich die Mächtigen mit ihrem Hass mal wieder durchgesetzt, als
habe die Botschaft der Liebe und der Menschlichkeit keine Chance gegen all den
Hass und die Gewalt in der Welt.
Tief innen
hatten die Jünger gehofft: mit Jesus Christus, mit seiner Botschaft des
Friedens könnte eine neue, eine bessere, friedlichere Zukunft anbrechen. Diese
Hoffnung schien am Kreuz zerplatzt. Es sah düster aus.
Aber nun, am
Ostermorgen, in der Begegnung mit Christus spüren sie: die Hoffnung lebt. Nicht
der Alptraum, sondern der Traum im positiven Sinn ist wahrgeworden – zumindest
ein Stück weit. Noch ist nicht die ganze Welt verwandelt, noch gibt es Not und
Leid, auch Hass und Gewalt. Aber die Jünger spüren: die Botschaft der Liebe und
der Menschlichkeit ist nicht besiegt. Sie zeigt den Weg in die Zukunft, in eine
verheißungsvolle, lebenswerte Zukunft. Ein Traum wird wahr.
Der Traum der
Jünger damals. Und wie sieht es mit unseren Träumen aus? Welche Träume haben
wir heute – in einer Welt, die manchmal auch düster aussieht?
Ja, manches
in unserer Welt sieht wahrlich nicht rosig aus. Klimawandel, Artensterben und
die Frage, ob wir für zukünftige Generationen noch eine lebenswerte Welt
hinterlassen.
Kriegerische
Auseinandersetzungen, rücksichtslose Machtspiele der Mächtigen und die Frage:
werden wir jemals wirklich Wege des Friedens und des Miteinanders finden?
Da liegt es
eher nahe, die Zukunft in dunklen Farben zu malen.
Oder dürfen
wir doch Hoffnung haben? Dürfen wir weiter von einer guten Zukunft träumen?
Ostern gibt da eine klare Antwort: Ja, wir dürfen hoffen, wir müssen unsere
Träume nicht aufgeben.
Natürlich: Es
sollen und dürfen keine weltfremden Träume sein. Wir sollen und dürfen die
Augen nicht verschließen vor all den Sorgen und Nöten der Menschen. Im
Gegenteil, wir sollten genau hinschauen – mit offenen Augen und wachem
Gewissen. Nur so können wir Wege finden in eine gute Zukunft.
Baruch,
dessen Worte wir in der dritten Lesung gehört haben, sprach von Wegen zum
Frieden und zum Lebensglück. Frieden und Lebensglück – beides scheint für viele
weit weg. So wie es für die Jünger damals nach dem Kreuz weit weg und
unerreichbar schien. Aber Ostern hat für sie alles verändert – und kann auch
für uns manches verändern.
Dabei gilt: Ostern
sagt uns nicht, dass die Wege zu Frieden und Lebensglück einfach sind, aber
Ostern sagt uns: sie sind möglich.
Ostern sagt
uns nicht, dass Hass und Gewalt bereits überwunden sind, aber Ostern gibt uns
die Hoffnung, dass sie nicht das letzte Wort haben.
Ostern sagt
uns erst recht nicht, dass wir schon am Ziel unserer Träume sind, aber Ostern
sagt uns: Wir dürfen davon träumen, dass das Ziel erreichbar ist.
Denn mit
unserem Einsatz und mit Gottes Beistand gilt auch heute noch: Träume können
wahr werden.