Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe von IsnyAktuell mit dem Kirchenblatt der Kath. Seelsorgeeinheit Isny
Liebe
Gemeinde,
die
Brotvermehrung – eine der bekanntesten Wundertaten Jesu, was auch daran liegt,
dass sie in allen vier Evangelien erzählt wird, teils wird sogar von zwei
solchen Brotvermehrungen erzählt. Und auch im Alten Testament wird bereits vom
Propheten Elischa ähnliches erwähnt.
Eines haben
aber all diese Erzählungen gemeinsam: es geht hier nicht um ein großes
Hokuspokus, eine spektakuläre Darbietung oder eine Demonstration, was Jesus als
Sohn Gottes alles kann. Natürlich darf man diesem Sohn viel zutrauen. Aber wenn
es darum gegangen wäre, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen,
hätte er auch aus den herumliegenden Steinen Brote machen können. Das wäre
vielleicht noch spektakulärer gewesen. Und genau diese Idee findet sich auch in
der Bibel – allerdings kommt mit dieser Idee der Satan daher: Als er Jesus in
Versuchung führen will sagt er ihm sinngemäß: Zeig doch, was du kannst, und
verwandle diese Steine hier in Brot.
Aber genau das
lehnt Jesus entschieden ab. Weil es ihm eben nicht um eine Demonstration seines
Könnens geht. Vielmehr will er seinen Jüngern – und damit letztlich uns allen
auf Wichtiges hinweisen. Denn so unterschiedlich diese Erzählungen über die
Brotwunder im Einzelnen sind, eines haben sie alle gemeinsam: immer müssen
andere mitwirken, müssen von dem hergeben, was sie haben. Nur so werden die
Brotwunder möglich: bei Elischa waren es Leute um ihn herum, die ihm zwanzig
Gerstenbrote und ein paar frische Körner in einem Beutel zur Verfügung
stellten, im Johannesevangelium ist es ein kleiner Junge mit fünf Gerstenbroten
und zwei Fischen, mal bringen die Jünger sieben Brote und ein paar Fische ein,
und im Evangelium heute hatten die Jünger fünf Brote und zwei Fische.
Offensichtlich ist es so: nur wenn Leute das einbringen, was sie haben, kann
das Wunder geschehen.
Genau das will
Jesus deutlich machen. Ausdrücklich sagt er den Jüngern: Gebt ihr ihnen zu
essen. Und wenn ihr nur wenig habt, gebt das wenige. Denn dort, wo Menschen
bereit sind zu teilen, können Wunder geschehen.
Nun kann man
dies natürlich nicht eins zu eins ins Heute übertragen, und auch nicht ganz
wörtlich nehmen. Wenn ein Kind beginnt, sein Pausenbrot in der Schule zu
teilen, werden daraus nicht gleich zehn Pausenbrote. Aber es entsteht
vielleicht etwas anderes: Dankbarkeit, Vertrauen, Miteinander, Freundschaft –
und all das ist wahrscheinlich noch viel wichtiger als ein Stückchen Brot.
Und so zeigen
diese Erzählungen von den Brotwundern, was eigentlich für alle biblischen
Wunder gilt: Das Wunderbare an diesen Wundern ist weniger, dass hier einer
außergewöhnliche oder unerklärliche Fähigkeiten hat. Das wirklich Wunderbare an
den Wundern ist, wenn Kranke sich wieder des Lebens freuen können, wenn
Aussätzige und Ausgegrenzte wieder Teil der Gemeinschaft sind oder wenn eben
Hungernde satt werden. Und für diese Wunder braucht es gar nicht so sehr
überirdische Fähigkeiten. Denn das wirklich Wunderbare kann dort geschehen, wo
Menschen beginnen zu teilen und füreinander da sind. Und dann reicht es manchmal
vielleicht wirklich viel weiter, als man je für möglich gehalten hatte. Amen.
Liebe
Gemeinde,
es gibt das
bekannte Beispiel von dem Glas, das zur Hälfte gefüllt ist, Sieht der Pessimist
das Glas, sagt er: es ist halb leer. Der Optimist dagegen sagt: es ist halb
voll. Dieses halbleere bzw. halbvolle Glas fiel mir wieder bei diesem Gleichnis
ein. Denn auch hier hängt vieles von der Einstellung oder Sichtweise ab: der
Pessimist sagt: dreiviertel der Mühe ist umsonst, ist nur für die Katz – bzw.
die Vögel oder die Dornen, dreiviertel der Körner gehen verloren … Der Optimist
sagt: am Ende bleibt doch noch genug übrig für eine gute Ernte.
Der Pessimist
schaut auf die Verluste und ist frustriert über die viele vergebliche Mühe, der
Optimist schaut auf die Ernte und freut sich, dass doch manches gewachsen ist.
Und ich
glaube, ähnliche Erfahrungen gibt es auch heute immer wieder – nicht nur im
Garten, wo mancher Salat den Schnecken zum Opfer fällt, sondern auch im Leben,
wo manche Mühe vergeblich erscheint. Ich vermute beispielsweise, dass manche
Eltern bei der Erziehung auch das Gefühl haben, dass nicht alle Saatkörner
gleich aufgehen. Und sie stehen dann vielleicht auch vor der Wahl, entweder
pessimistisch auf die vergebliche Liebesmüh zu schauen, oder doch die Hoffnung
haben, das eine oder andere Saatkorn gelegt zu haben, dass dann doch wächst und
gedeiht und Frucht trägt.
Oder wenn man
sich für eine gute Sache einsetzt. Auch da gibt es oft genug steinige Wege oder
die Dornen, die den Erfolg schwer machen, und doch mag es sich lohnen, dran zu
bleiben.
Und ähnlich
ist es offensichtlich auch im Reich Gottes: Wer sich im Sinne dieses Reiches
für Frieden, für Liebe, für Mitmenschlichkeit einsetzt, oder wer sich in der
Kirche ehrenamtlich engagiert, der darf offensichtlich auch nicht erwarten,
dass jedes Saatkorn gleich aufgeht. Jesu eigener Weg war oft genug steinig und
dornig. Auch er hatte mit manchen Misserfolgen, mit Nichtbeachtung oder
Ablehnung zu kämpfen.
Aber Jesu
Position ist eindeutig auf der Seite des Optimisten. So schade es ist, dass
manche Körner Opfer der Vögel oder der Dornen werden, am Ende steht für ihn die
Ernte: 30fach, 60fach, ja 100fach. Deshalb steckt in diesem Gleichnis für mich
vor allem die Botschaft: schaut nicht zu sehr auf manche vergebliche Mühe,
schaut nicht zu sehr auf die bedauerlichen Rückschläge und Misserfolge. Schaut
auf das, was trotz allem wächst. Der Glaube verschließt nicht die Augen vor den
Dornen und Steinen, aber im Glauben können wir doch voller Optimismus nach
vorne schauen.
Ein Hinweis
ist mir dabei noch wichtig. Man könnte ja nun denken, der Sämann, der den Samen
zwischen die Steine oder in die Dornen sät, sei eben ein reichlich
ungeschickter oder gar fauler Sämann, der die Dornen nicht ausreißt oder nicht
aufpasst, wohin er sät. Aber das will Jesus sicher nicht andeuten. In einer
Zeit, als es keine Traktoren, keine Unkrautvernichtungsmittel und keinen Dünger
gab, dafür in vielen Gegenden Israels umso mehr steinige Böden, war es schlicht
die Realität vieler Bauern, dass sie mit Steinen und Dornen zu kämpfen hatten.
Üppige Getreidefelder, wie wir sie kennen, mit dicht an dicht stehenden Halmen
ohne Unkraut dazwischen gab es damals einfach nicht.
Es geht also
nicht darum, die Arbeit dieses Sämanns schlecht zu reden, sondern im Gegenteil,
ihn als Vorbild zu nehmen, weil er trotz Hindernissen weiter sät – im
Vertrauen, dass am Ende doch etwas gedeiht und Frucht bringt.
Und ähnlich
ist es auch im übertragenen Sinn, bei den genannten Beispielen: wer in der
Erziehung oder im ehrenamtlichen Engagement oder wo auch immer mit manchen Enttäuschungen,
Misserfolgen, mancher vergeblicher Mühe zu kämpfen hat, der muss keineswegs
schlechte Arbeit gemacht haben. Im Gegenteil, das Gleichnis ermutigt ihn: trotz
mancher frustrierenden Erfahrung – gib nicht auf zu säen und gib nicht auf zu
hoffen: am Ende kann trotz Steinen und Dornen manches wachsen. Jedenfalls wäre
es schön, wenn es im Leben wie im Gleichnis ist: Am Ende steht nicht die
Enttäuschung, am Ende steht die Freude. Amen.
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